Feste feieren im Gastgarten beim Heurigen Maly

Wiener Heurigenkultur ist immaterielles Kulturerbe

Die Österreichische UNESCO-Kommission hat 2019 die Wiener Heurigenkultur in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen.

Wiener Heurigenkultur steht für einzigartige Atmosphäre und Vielfalt. Jeder Betrieb ist für sich speziell und pflegt seine individuellen Besonderheiten. Typische Unterschiede gibt es bei den Aussteckzeiten, der Ausstattung, dem Publikum, der Musik oder dem Wein- und Speisenangebot. Die Gemütlichkeit am schlichten Heurigentisch unter alten Kastanienbäumen bei Wein und Wiener Musik lässt einen die Alltagssorgen vergessen. Der Wiener Heurige ist bis heute zwanglos und unprätentiös und so sind die Angebote beim Wiener Heurigen für alle leistbar. Am Stammtisch kommen Pensionisten, Studenten und Arbeiter mit dem Pfarrer oder Bezirkspolitikern zusammen, womit der Heurige traditionell eine soziale Funktion erfüllt.

Kulturwissenschafter Prof Roland Girtler der Uni Wien kennt durch seine Forschungen die Menschen und das Geschehen in den Wiener Heurigenlokalen genau.

„Ein Besuch beim Heurigen hängt auch mit dem Bedürfnis zusammen, so etwas wie „Seelsorge“ zu erleben. Von einem Arzt weiß ich, dass er gewisse Patienten, die unter Depression leiden, zum Heurigen schickt. Das Gespräch mit einem Heurigen-Kellner würde bisweilen mehr nützen als der Besuch bei einem professionellen Psychiater.“

In seinem Empfehlungsschreiben weist Girtler auf die besondere Bedeutung der Heurigen nicht nur als Arbeitgeber für die Menschen in der Region hin, sondern auch als wesentlichen Beitrag zur Erhaltung einer alten und wunderschönen Kulturlandschaft inmitten des Wiener Grüngürtels. Darüber hinaus lobt er den Heurigen mit leicht transportierbaren Speisen wie Liptauer oder Salaten als Nahversorger für die Nachbarschaft.

Der Wiener Wein ist ein enormer Wirtschaftsfaktor und starker Magnet für den Wiener Städtetourismus. Beim Heurigen werden etwa 70% des Wiener Weins vermarktet.

Mag. Marcus Ratka, Rektor der Universität für Jazz und Popularmusik in Wien und Dr. Engelbert Mach Referent und Seminarleiter für den Fachbereich Wienerlied sind sich einig:

„Der Wiener Heurige für sich allein genommen ist schon unschätzbar wertvolles Kulturgut. Als Gastgeber und Heimstätte für das Wienerlied dann aber gleich in doppelter Hinsicht.“

„Die einzigartige, gemütliche und gesellige Atmosphäre wurde neben vielen Stärken zuletzt 2018 durch eine Gallup-Umfrage wieder eindeutig bestätigt. Gelebte Traditionen und das Winzerhandwerk werden von Generation zu Generation weitergegeben, was nun auch von der Österreichischen UNESCO-Kommission gewürdigt wird.“, freut sich Michael Edlmoser als Winzer und Obmann des Vereins „Der Wiener Heurige“.

Franz Windisch, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, erklärt:

„Der Heurige ist der Vorfahre der regionalen Vermarktung. Seit dem Mittelalter werden Weine und selbst produzierte Produkte direkt vor Ort vermarktet. Insofern trägt jeder Heurigenbesuch zum aktiven Klimaschutz bei.“

Elmar Feigl, Geschäftsführer des Vereins „Der Wiener Heurige“ meint dazu:

„Der Wiener Heurige ist eine Oase am Rande der Stadt, wo man sich je nach Lust und Laune zurückziehen oder gemeinsam mit anderen feiern kann.“

Der Verein „Der Wiener Heurige“ wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, die Qualität beim Heurigen zu steigern und gleichzeitig die vielfältig gelebten Traditionen zu stärken. Die Mitglieder schenken selbstproduzierten Wein aus,  haben sich strenge Qualitätsstandards auferlegt und setzen verstärkt auf Regionalität bei Speisen und Getränken.

UNESCO Immaterielles Kulturerbe
Wikipedia Immaterielles Kulturerbe
Verein „Der Wiener Heurige“